Einmal im Jahr passiert in Schweden etwas, das sich schwer in Worte fassen lässt. Die Nächte hören auf, richtig dunkel zu werden, die Menschen verlassen ihre Häuser, versammeln sich auf Wiesen und um Seen… und tanzen. Um einen geschmückten Stab, mit Blumen im Haar, zu Liedern, die jedes schwedische Kind auswendig kennt.
Midsommar ist quasi der schwedische Nagtionalfeiertag. Er riecht nach frisch gemähtem Gras und Erdbeeren, klingt nach Akkordeon und Kinderlachen und fühlt sich an wie der längste, hellste und schönste Tag des Jahres.
Das Gute: Man muss nicht in Schweden sein, um dieses Gefühl zu erleben. Mit ein bisschen Vorbereitung lässt sich Midsommar wunderbar in den eigenen Garten holen.
Was Midsommar eigentlich ist
Midsommar wird in Schweden immer am Samstag zwischen dem 19. und 25. Juni gefeiert, dem Tag, der dem 24. Juni am nächsten liegt, dem traditionellen Mittsommertag. Dieses Jahr also am 20. Juni. Es ist einer der wichtigsten Feiertage des Landes, vergleichbar vielleicht mit Weihnachten in seiner emotionalen Bedeutung für die Schweden.
Der Ursprung liegt in alten Fruchtbarkeits- und Sonnwendriten, die sich über Jahrhunderte zu dem entwickelt haben, was Midsommar heute ist: ein Fest der Natur, der Gemeinschaft und des Sommers in seiner schönsten Form.
Der Midsommarstång – das Herzstück des Festes
Wer Midsommar hört, denkt zuerst an den Midsommarstång. Dieser geschmückte Stab ist das Symbol des Festes schlechthin. Allein das Aufstellen ist ein Ereignis für sich!
Traditionell wird ein langer, gerader Birkenstab aufgestellt, dessen Querbalken am Ende mit Birkengrün und frischen Wiesenblumen geschmückt werden. Die Form erinnert ein wenig an ein Kreuz oder einen Anker. Dann versammeln sich alle darum und der Tanz beginnt.
So baust du deinen eigenen Midsommarstång:
Du brauchst keinen Birkenwald vor der Haustür. Mit etwas Kreativität lässt sich ein schöner Stab auch in Deutschland oder Österreich bauen.
Material: Ein gerader Holzstab oder eine Holzstange, etwa 1,5 bis 2 Meter lang. Im Baumarkt findest du Rundholz in passender Länge. Daran befestigst du einen kürzeren Querbalken mit Draht oder Schnur, sodass das typische Kreuzform entsteht.
Das Grün: In Schweden nimmt man Birkengrün, weil es einfach überall wächst. Hierzulande funktionieren auch Buchenzweige, Laubzweige anderer Laubbäume oder frische Gartenpflanzen. Binde die Zweige mit Draht oder grüner Schnur dicht an den Stab und den Querbalken, bis alles bedeckt ist.
Die Blumen: Das ist der schönste Teil. Midsommar ist ein Fest der Wiesenblumen, je bunter und wilder, desto besser. Kornblumen, Margeriten, Wiesenknöterich, Löwenzahn, Klee, Schafgarbe. Was gerade blüht, gehört dran. Binde kleine Sträuße zusammen und befestige sie am Grün. Wenn du magst, hänge auch Blumengirlanden an den Enden des Querbalkens herunter.
Aufstellen: Der Stab braucht einen festen Stand. Grabe ihn mindestens 30 bis 40 Zentimeter tief in die Erde oder stecke ihn in einen stabilen Blumentopf, den du mit Steinen beschwert. Der Midsommarstång sollte aufrecht stehen und den Wind aushalten, schließlich wird darum getanzt.

Die Blumenkrone – für alle, die mitmachen wollen
In Schweden tragen Mädchen und Frauen an Midsommar traditionell Blumenkronen im Haar. Auch das ist einfacher selbst zu machen als es klingt.
Binde einen dünnen, biegsamen Zweig zu einem Kreis und befestige daran mit Draht oder Faden frische Blumen, dieselben wie am Stab. Kornblumen und Margeriten eignen sich besonders gut, weil sie sich gut binden lassen. Mache die Kronen direkt vor dem Fest fertig, damit die Blumen frisch bleiben.
Das Essen: Was auf den Midsommar-Tisch gehört
Midsommar-Essen ist bodenständig, saisonal und immer zu viel. Hier sind die Klassiker, ohne die das Fest nicht vollständig wäre.
Sill – eingelegter Hering: Der Hering ist unverzichtbar. Traditionell gibt es mehrere Sorten: mit Zwiebeln, mit Senf, mit Dill, süß-sauer. Im gut sortierten Supermarkt oder in skandinavischen Online-Shops findest du auch in Deutschland und Österreich verschiedene Varianten.
Kartoffeln mit Dill: Kleine, festkochende Frühkartoffeln, in Salzwasser mit einem großen Bund frischem Dill gekocht. Dazu Butter, mehr braucht es nicht. Die neuen Kartoffeln sind der schwedischste Beitrag zur Kartoffelgeschichte.
Räucherlachs: Mit Senf-Dill-Sauce, auf Knäckebrot oder einfach so. Ein weiterer Klassiker auf dem Midsommar-Tisch.
Gräddfil und Grädde: Saure Sahne und Schlagsahne, beides gehört zu den Kartoffeln und zum Hering. Für alle, denen das zu viel Sahne ist: Das ist Midsommar, das ist erlaubt.
Jordgubbar – Erdbeeren: Das Midsommar-Dessert ist immer dasselbe: frische Erdbeeren mit Schlagsahne. Keine Torte, kein Kuchen. Einfach Erdbeeren, so viele wie möglich, so frisch wie möglich. Im Juni sind die deutschen und österreichischen Erdbeeren auf dem Höhepunkt, das Timing passt also perfekt.
Schwedisches Knäckebrot: Als Begleitung zu allem, Hering, Lachs oder Käse. Knäckebrot aus schwedischer Produktion bekommst du in den meisten gut sortierten Supermärkten.
Snaps: Wer mag, trinkt dazu Aquavit oder Schnaps, traditionell begleitet von kleinen Trinkliedern, die auf Schwedisch gesungen werden. Der bekannteste ist „Helan går“, ein kurzes, fröhliches Lied, das vor dem ersten Schluck gesungen wird. Text und Melodie sind schnell gelernt und sorgen verlässlich für gute Stimmung.

Die Spiele: Was nach dem Essen kommt
Midsommar ist kein Fest, das man sitzend verbringt. Nach dem Essen wird gespielt, draußen, auf der Wiese oder im Garten.
Der Tanz um den Stab: Der bekannteste Midsommar-Tanz ist „Små grodorna“ – der Froschmarsch. Alle stellen sich in einem Kreis um den Stab auf, haken sich unter und hüpfen im Kreis, während sie das Lied singen. Die Bewegungen imitieren einen Frosch, ohne Ohren, ohne Schwanz. Es ist albern, mach aber alle glücklich, besonders Kinder.
Klassische Gartenspielen: Kubb ist ein traditionelles schwedisches Wurfspiel, bei dem Holzklötze umgeworfen werden. Es lässt sich einfach kaufen oder selbst bauen und passt perfekt zum Midsommar-Abend.
Auch Krocket, Boccia oder einfaches Tauziehen gehören zur Tradition. Die Spiele sollen das Gemeinschaftsgefühl stärken.
Die Blumenwiese und die sieben Blumen: Ein alter schwedischer Brauch besagt, dass man in der Midsommarnacht sieben verschiedene Blumen pflücken und sie schweigend unter das Kopfkissen legen soll. Dann träumt man von dem Menschen, den man heiraten wird.

Die Stimmung: Was Midsommar wirklich ausmacht
Über die schönsten Requisiten und das beste Essen hinaus ist Midsommar vor allem eines: ein Fest, bei dem alle zusammen sind. Keine Bildschirme, kein Stress, kein Programm, dem man folgen muss.
Ein langer Tisch im Garten, frische Blumen und der Geruch von Dill und Erdbeeren. Kinder, die um den Stab tanzen und Erwachsene, die bis in die Nacht am Tisch sitzen.
Das lässt sich überall auf der Welt feiern, mit einem selbst gebauten Midsommarstång, einem Teller Hering und in Gemeinschaft mit den Menschen, die man liebt.
God midsommar! 🌸
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